PERSONELLES

Wer bezahlt für das Altersheim?

Langzeitpflege ist teuer. Bis 8000 Franken kann sie monatlich kosten, in Spezialeinrichtungen noch mehr. Reichen die eigenen Mittel nicht aus, werden unter Umständen die Nachkommen unterstützungspflichtig.

 

Altersheimkosten werden zunächst aus der AHV-, IV- und BVG-Rente bezahlt. Die Kosten für die Pflege werden aufgeteilt: auf die Krankenversicherung, Kanton oder Gemeinde und die betroffene Person. Dabei muss jedoch ein Grundbetrag für den Pensionär frei verfügbar bleiben. Fallweise kann für Pflege- und Betreuungskosten auch Hilflosenentschädigung der AHV/IV herangezogen werden. Als hilflos gilt, wer für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd auf die Hilfe Dritter angewiesen ist oder dauern-
der Pflege oder Überwachung bedarf. Der Anspruch
auf AHV-Hilflosenentschädigung richtet sich allein nach
dem Grad der Hilflosigkeit.
Die Höhe der monatlichen Entschädigung liegt zwischen 235 und 940 Franken.

 

Sicherung der Lebenskosten
Wo das anrechenbare Einkommen aus Renten und sonstigen Quellen die minimalen Lebenskosten nicht deckt, werden Ergänzungsleistungen ausgerichtet. Anspruch darauf hat, wer eine AHV- oder eine IV-Rente bezieht. Berechnet werden die Ergänzungsleistungen aufgrund einer individuell-konkreten Vergleichsrechnung zwischen anerkannten Ausgaben und anrechenbaren Einnahmen. Anerkannte Ausgaben sind beispielsweise Hypothekarzinsen oder der Pauschalbetrag für die obligatorische Krankenversicherung. Bei Personen, die zu Hause betreut werden, beinhalten sie ferner den allgemeinen jährlichen Lebensbedarf sowie Miete und Nebenkosten oder, wenn eine eigene Liegenschaft bewohnt wird, den

 

Eigenmietwert.
Als anrechenbares Einkommen gelten unter anderem die Renten aus AHV, IV, BVG, UVG und MVG. Erst hier spielen dann auch das persönliche Vermögen und die Erträge daraus eine Rolle. Zum anrechenbaren Einkommen zählen ferner Mieteinnahmen und der Eigenmietwert. Es gibt keine rechtliche Möglichkeit, jemanden zum Verkauf einer Liegenschaft zu zwingen. Immobilienbesitz kann allerdings dazu führen, dass Ergänzungsleistungen reduziert oder abgelehnt werden.

 

Aufgepasst bei Schenkungen
Als anrechenbares Einkommen zählen auch Einkünfte und Vermögenswerte, auf die jemand verzichtet: Vollzieht man beim Umzug ins Alters- oder Pflegeheim eine Schenkung oder einen Erbvorbezug zuhanden seiner Nachkommen, kann das auch zum Bumerang werden. Etwa weil in der Folge keine Ergänzungsleistungen ausbezahlt werden oder durch diese Vermögensumverteilung die Verwandtenunterstützung zum Thema wird.

 

Unterstützungspflicht
Die Verwandtenunterstützung wird immer in Betracht gezogen, wenn die Kosten nicht gedeckt sind. Im Grundsatz sind Eltern für ihre erwachsenen Kinder unterstützungspflichtig – und umgekehrt. Die Pflicht zur Unterstützung richtet sich nach der Reihenfolge der Erbberechtigung. Geschwister, Stiefeltern und Stiefkinder sowie verschwägerte Personen sind somit davon ausgenommen. Verwandte haben allerdings nur dann eine Pflicht zur Unterstützung, wenn sie in günstigen Verhältnissen leben. Konkret sprechen wir hier von einem steuerbaren Einkommen von mindestens 120 000 Franken für Alleinstehende und von 180000 Franken für Verheiratete, zuzüglich Vermögensverzehr gemäss SKOS-Richtlinien. Pro minderjährigem oder in Ausbildung befindlichem Kind kommen nochmals 20 000 Franken dazu. Oberhalb dieser Grenzwerte können Verwandte verpflichtet werden, nahen Familienmitgliedern finanziell unter die Arme zu greifen. Der Freibetrag für das steuerbare Vermögen beträgt für Alleinstehende 250 000, für Verheiratete 500 000 Franken. Für jedes minderjährige oder in Ausbildung befindliche Kind gilt zusätzlich ein Freibetrag von 40 000 Franken.

 

Wenn alles zusammen nicht reicht
Sind alle Möglichkeiten ausgeschöpft, wird Sozialhilfe zum Thema. Sie kann beantragt werden, wenn jemand in Not gerät und nicht für sich selber sorgen kann. Wer Grundeigentum besitzt, hat keinen Anspruch auf Sozialhilfe, ausser er bewohnt die Liegenschaft selber und kann dort zu marktüblichen oder sogar günstigeren Bedingungen wohnen.

 

 

 

Tipp: So viel darf man seinen Kindern schenken
Alle Vermögensverzichte – also Schenkungen oder ein Erbvorbezug zugunsten der Nachkommen – werden an die Pflege- und Ergänzungsleistungen angerechnet. Bis zu einer Grenze von 10000 Franken jährlich sind sie aber frei. Es dürfen auch einmalig grössere Beträge sein, die dann über die Jahre bis zur Antragstellung rechnerisch verteilt werden. Beispiel: Eine Schenkung in Höhe von 30000 Franken im Jahr 2014 hat für die Berechnung der Ergänzungsleistungen im Jahr 2017 keine Bedeutung mehr.

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